Warum Bioprodukte und Naturkosmetik?

Warum wir natürliche Produkte lieben? Wir lieben es, uns etwas Gutes zu tun! Und anderen. Und der Umwelt. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe konventioneller Waren, vor allem bei Hautpflege und Lebensmitteln, zeigt schnell, dass viele Substanzen nicht gut tun. Auch die Herstellungsverfahren können fragwürdig sein. Natur hingegen ist Leben. Fairer Handel ist menschlich. Hier findet ihr eine kleine Auswahl an Gründen, ‘Grünes’ zu lieben.

Biokosmetik enthält kein Erdöl oder Silikone

Viele konventionell hergestellte Kosmetikprodukte verwenden Abfallprodukte der Erdölchemie wie Paraffine und synthetisches Glycerin. Diese Stoffe sind billig in der Herstellung und dienen als Ersatz für hochwertige pflanzliche Öle. Zum Vergleich: während ein Kilogramm Paraffin etwa 1 Euro kostet, zahlt man für die gleiche Menge Mandelöl etwa 20 Euro. Die Mineralfette haben jedoch keine Pflegewirkung, sie liegen auf der Haut und ziehen nicht vollständig ein. Die Filmschicht, die sich bildet, behindert den natürlichen Feuchtigkeitsausgleich. Unter Umständen lagert sich ein Teil der Mineralöle im Körper ab – das ist vor allem bei Produkten wie Lippenstiften bedenklich, wo ein Teil des Produkts unweigerlich verschluckt wird. Ähnlich verhalten sich Silikonöle auf der Haut. Silikone sind synthetische Stoffe, wie Plastik. Vor allem auch in Haarstyling-Produkten kommen sie dank ihrer glättenden Wirkung gerne zum Einsatz. Silikone sind zudem umweltbedenklich, da nicht biologisch abbaubar. Sie lagern sich nicht nur auf Haut und Haaren an – früher oder später landen sie über den Abfluss in unserer Natur und belasten die Umwelt. Des Weiteren sind sie ‘leere’ Öle, ohne die vielen Wirkstoffe wie Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe, die in pflanzlichen Ölen bereits natürlich enthalten sind. Mineralöle und Silikonöle sind für die Haut fremde, künstliche Stoffe, mit denen es ihr schwerfällt zu arbeiten. Pflanzenöle hingegen sind dem Hautfett ähnlich und können gut aufgenommen werden. Falls ihr noch konventionelle Produkte im Badschrank stehen habt, prüft mal die Liste der Inhaltsstoffe – ihr werdet euch wundern wie häufig ihr Paraffine und Silikone findet – praktisch in jedem konventionellen Produkt. Mineralöle erkennt ihr zum Beispiel an diesen Bezeichnungen: Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Cera Microcristallina, Ozokerite, Ceresin, Paraffin; und Silikone sind zum Beispiel: Cyclopentasiloxane, Cyclohexasiloxane, Polysiloxane, Dimethicone, Methicone (achtet auf die Endung -cone, sie weist oft auf Silikone hin).

Keine synthetischen Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe

Immer mehr Menschen leiden an einer Allergie gegen Kosmetik-Wirkstoffe oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln. Grund dafür ist vor allem auch der vermehrte Einsatz von Farb- und Duftstoffen sowie Konservierungsmitteln. Allergiker, deren empfindliche Haut auf die künstlichen Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik reagiert, kommen daher meist mit naturbelassenen Produkten besser zurecht. Auch Naturstoffe können Allergien auslösen – dies ist aber eine Reaktion des Körpers auf einen bestimmten Stoff, den man oft durch lesen der Inhaltsstofflisten umgehen kann, und nicht ein Schaden verursacht durch aggressive Chemie. Man vermeidet mit Naturprodukten immer noch die schädlichen oder potenziell schädlichen Wirkungen von synthetischen Substanzen, Chemie-Cocktails und hochreaktiven Stoffe. Für besonders empfindliche Haut wie bei Allergikern bieten auch Naturkosmetik-Hersteller besonders geeignete Serien ohne Duftstoffe und mit lindernden pflanzlichen oder mineralischen Wirkstoffen. Tatsächlich hat man in Studien festgestellt, dass Allergiker auf die ganzheitlichen, ätherischen Öle, die in Biokosmetik als Parfum eingesetzt werden, nur sehr, sehr selten reagieren – im Gegensatz zu den Duftstoffen, die zwar Bestandteil der ätherischen Ölen sind, aber in herkömmlicher Kosmetik oft als isolierte, synthetische Stoffe verwendet werden. In der INCI-Liste (Deklaration der Inhaltsstoffe auf der Packung) muss der Name des Duftstoffs vermerkt werden, auch wenn er nicht isoliert sondern in einem ätherischen Öl vorliegt – der Unterschied ist also leider nicht zu erkennen. Trotzdem ist es interessant zu wissen, dass dies mit ein Grund ist, weshalb Naturprodukte besser vertragen werden. Zudem sind nicht alle Duftstoffe gleich – es gibt einige mit hohem oder mittleren Allergiepotenzial, viele haben jedoch nur ein geringes allergisierendes Potenzial. Unter den Farbstoffen, die in herkömmlicher Kosmetik eingesetzt werden, sind auch die toxikologisch bedenklichen Azo-Farbstoffe. Sie stehen unter dem Verdacht, Krebs zu verursachen, Allergien auszulösen und Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern zu verstärken. Lebensmitteln müssen daher speziell gekennzeichnet werden. In der konventionellen Kosmetik sind vor allem Haarfärbemittel und dekorative Kosmetik mit solchen Farbstoffen problematisch. In zertifizierter Natur- und Biokosmetik dürfen sie nicht eingesetzt werden – diese setzt statt dessen auf mineralische Pigmente. Ein Großteil der Hautpflegeprodukte besteht hauptsächlich aus Wasser. Zum einen sollte daher auch auf die Qualität des Wassers geachtet werden, zum anderen entsteht, sobald Wasser zugesetzt wird, ein Lebensraum für Mikroorganismen wie Bakterien oder Schimmel – die Produkte beginnen zu verderben. Daher ist eine Konservierung nötig. In konventionellen Produkten kommen zum Beispiel Parabene – hormonell wirksame Substanzen – oder Formaldehydabspalter – potenziell krebserregend – zum Einsatz. Andere Stoffe wie halogenorganische Substanzen sind mehr oder weniger stark allergisierend. Nach den Zertifizierungsstandards sind in Naturkosmetik nur einige wenige, unbedenkliche Konservierungsstoffe erlaubt, die meist auch in der Natur vorkommen. Zudem setzen die Hersteller auf hygienische Verpackungen – Tuben statt Tiegel – um eine Verunreinigung der Produkte beim Gebrauch möglichst einzuschränken. Auch werden Produktserien ohne Wasser angeboten – dadurch sind Konservierungsstoffe ganz zu vermeiden.

Keine synthetischen Lichtschutzfilter in Naturkosmetik

Synthetische Lichtschutzfilter wirken durch Reaktionen auf und mit der Haut, wobei sich die Moleküle verändern und stark allergisierend oder phototoxisch werden können. Manche wirken wie Hormone und lagern sich zudem in Fett an – zum Beispiel in Fischen oder in Muttermilch. Des Weiteren haben Meeresbiologen festgestellt, dass die synthetischen Lichtschutzfilter weltweit die Korallenriffe gefährden – wir schmieren uns ein, baden im Ozean, geben die Stoffe dabei ans Meer ab und zerstören damit wichtige Ökosysteme. In zertifizierter Naturkosmetik werden nur mineralische Lichtschutzfilter eingesetzt. Das sind Mikropigmente, die auf der Haut liegen und die Sonnenstrahlen reflektieren. Früher hatten solche Produkte den Nachteil, dass sie eine starke weiße Farbe hinterließen. Doch die Entwicklung in der Naturkosmetik ist weit gekommen und inzwischen sind nicht-weißelnde, transparente Produkte erhältlich. Sonnenschutzprodukte mit extrem hohem Lichtschutz erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Meist sind diese Produkte deutlich teurer als Artikel, die zum Beispiel ‘nur’ mittleren Schutz bieten. Ein extrem hoher Schutz von LSF 50 oder LSF 50+ (bedeutet: mindestens LSF 60) kann für Menschen mit hoher Lichtempfindlichkeit durchaus sinnvoll sein. Die gute Nachricht für alle anderen ist: ein Produkt mit Lichtschutzfaktor 15 bietet bereits 93,3 Prozent UVB-Schutz. Ein LSF 30 absorbiert 97 Prozent der UVB-Strahlen. Für die meisten Menschen in den meisten Situationen dürfte ein solcher Schutz bereits völlig ausreichend sein. Dennoch sollte man lange und häufige Sonnenbäder und damit das erhöhte Krebsrisiko durch die UVA-Strahlung meiden. Auch wenn nach EU-Standard UVA-Schutz in Sonnenschutzprodukten gegeben sein muss, ist dieser Schutz nie 100 Prozent. Zudem darf man nicht vergessen, dass der Mensch und seine Haut Sonne in Maßen auch benötigen. Wer sich tagtäglich durch Lichtschutz zum Beispiel in Tagescremes von der Sonne abschottet, behindert die Synthese von Vitamin D, wodurch Mangelerscheinungen auftreten können. Die gesündere Alternative ist, sich mehr im Schatten aufzuhalten. Synthetische Lichtschutzfilter, die man meiden sollte, sind zum Beispiel: Oxybenzone, Octyldimethyl PABA, Ethylhexyl Methoxycinnamate, Benzophenone-3, Benzophenone-4, Methylbenzylidene Camphor. Hingegen werden als mineralische Lichtschutzfilter in der Naturkosmetik eingesetzt: Titanium Dioxide, Zinc Oxide.

Keine Nanotechnologie in Bioprodukten

Seit Juli 2013 müssen bei Kosmetik Nano-Rohstoffe in der Liste der Inhaltsstoffe (INCI-Deklaration) mit dem Hinweis ‘(Nano)’ gekennzeichnet werden. Umstritten sind Nanopartikel vor allem, weil es zu den meisten nur wenige Erkenntnisse über mögliche Gefahren für Mensch und Umwelt gibt. Hersteller von Bio-Produkten verzichten daher auf den Einsatz von Nanotechnologie.

Keine Tierversuche für Naturkosmetik

Es gibt heute keinen Grund mehr auf Tierversuche zu bestehen. Zum einen sind tausende bereits erforschte Zutaten erhältlich, zum anderen gibt es genügend alternative Tests. Die Rücksichtnahme auf und der Schutz von Tieren ist von jeher ein wichtiger Pfeiler der Biobewegung. Alle Zertifizierungsstandards haben gemeinsam, dass sie Tierversuche verbieten. Hersteller mit entsprechenden Labels führen selbst keine Tierversuche durch und geben auch keine in Auftrag. Oft findet ihr jedoch auf den Produkten keine speziellen, reinen Tierschutz-Logos wie zum Beispiel das springende Häschen oder das Häschen unter der schützenden Hand, weil der Tierschutz bereits Bestandteil der Biozertifizierung ist. Unter Biolabels ist zudem der Einsatz von Rohstoffen aus toten Wirbeltieren wie tierische Fette oder Nerzöl verboten. Viele Naturkosmetikprodukte sind daher auch vegan. Werden tierische Stoffe eingesetzt, handelt es sich dabei zum Beispiel um Bienenwachs, Honig, Lanolin oder Milch – also Stoffe, bei deren Gewinnung den Tieren kein Schaden zugefügt wurde.

Keine umstrittenen Emulgatoren in Biokosmetik

Emulgatoren sind notwendig, um Fett und Wasser zu verbinden. In herkömmlicher Kosmetik werden meist preiswerte Rohstoffe aus Polyethylenglykol eingesetzt. Diese PEG-basierte Stoffe haben jedoch den Nachteil, dass sie die Haut durchlässiger machen – auch für Schadstoffe. Zudem wird bei ihrer Herstellung ein extrem giftiges Gas verwendet, Ethylenoxid, das als krebserregend und erbgutschädigend gilt. Trotz moderner Reinigungsverfahren können theoretisch Spuren des Gases zurückbleiben. Zumindest gibt es heutzutage keinen vernünftigen Grund mehr, ein Risiko einzugehen oder die Umwelt mit solchen Verfahren zu belasten. Die Naturkosmetik zeigt, dass auch sehr gut mit umweltfreundlicheren, gesünderen Alternativen gearbeitet werden kann.

Keine radioaktive Bestrahlung bei Naturkosmetik

Wenn konventionelle Kosmetik mit einem “strahlend schönen Teint” wirbt, ist sie oft näher an der Wahrheit als ihr wahrscheinlich lieb ist, denn häufig werden konventionelle Rohstoffe radioaktiv bestrahlt. Die Richtlinien für zertifizierte Naturkosmetik verbieten die Behandlung von Rohstoffen oder Endprodukten mit ionisierenden Strahlen.

Pflanzenpower aus der Natur

Naturkosmetik nützt die Heilkraft von Pflanzen, von solchen, die man seit ewigen Zeiten kennt, aber auch von neu entdeckten ? ob Ringelblume gegen Entzündungen, Kamille oder Salbei zur Beruhigung der Haut oder Granatapfel mit Anti-Aging-Wirkung. Die aus den Pflanzen gewonnenen Öle, Fette, Wachse oder Kräuterextrakte werden bei zertifizierter Naturkosmetik ohne Beimischung von chemischen Zusatzstoffen wie Silikonen oder Parabenen zu haut- und umweltfreundlichen Produkten verarbeitet. Dabei setzen die Naturkosmetik-Hersteller soweit wie möglich auf Rohstoffe aus Bio-Anbau oder zertifizierter Wildsammlung.

Inhaltsstoffe aus Fair Trade

Vielen Naturkosmetik-Herstellern geht es ? abgesehen von den haut- und umweltfreundlichen Inhaltsstoffen ? unter anderem auch darum, achtsam mit den Ressourcen anderer Menschen umzugehen. Dazu zählt die Bezahlung fairer Löhne oder Engagement in Form von Kooperationen oder Hilfe zu Selbsthilfe-Initiativen. Denn nur weil wir schön und gepflegt sein wollen, müssen andere Menschen noch lange nicht leiden.

Umweltfreundliche, ökologische und recycelbare Verpackungen

Der schonende Umgang mit Ressourcen fängt bereits bei der Verpackung an, die im Idealfall so clever konzipiert ist, dass sie recycelbar und ressourcenschonend ist oder sogar in den Nährstoffkreislauf zurückgeführt werden kann ? und hört bei besonders energieeffizienten Firmengebäuden, verkürzten Lieferwegen und einem möglichst geringen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß auf. Denn was nutzt die schönste Verpackung, wenn der Inhalt nicht stimmt? Und umgekehrt.

Naturkosmetik und Bioprodukte einfach im Online-Shop einkaufen

Und zu guter Letzt sind Bioprodukte inzwischen genauso zugänglich und bequem zu kaufen wie einst nur konventionelle Waren. Wer in seiner Ortschaft keinen Bioladen hat, findet im Internet ein breites Angebot. Die Spanne reicht von günstigen Einsteigerprodukten bis hin zu Luxusartikeln und auch für spezielle Bedürfnisse und Hauttypen ist gesorgt. Wozu heute noch zu potentiell schädlicher oder umweltbedenklicher Ware greifen, wenn gute Alternativen doch existieren?

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